Fahrverbot bei der Überschreitung der Geschwindigkeit, Fahrverbot bei Abständsverstößen und Fahrverbot beim Überfahren einer Roten Ampel

Ab wann erhält man Fahrverbote und wer entscheidet über die Anordnung von Fahrverboten

Fahreignungsregister und Punkte in Flensburg

Bußgeldkatalog Fahrverbot Geschwindigkeit 2020

Fahrverbote bei niedrigeren Geschwindigkeiten seit der Bußgeldkatalog Neuerungen vom April 2020


    Fahrverbote werden von den Bußgeldstellen erteilt, um die Sicherheit im Strassenverkehr zu gewährleisten. Auch können durch Urteile des Gerichts Fahrverbote aufgrund einer Straftat im Straßenverkehr erfolgen.
    Rechtsgrundlage des Fahrverbotes ist § 25 des Straßenverkehrsgesetz (StVG) sowie § 44 des Strafgesetzbuch (StGB). Die Systematik des Fahrverbotes in Bußgeldsachen ist nicht immer sofort zu verstehen und für Betroffene nicht immer nachvollziehbar.
    Seit dem 24.August 2017 gibt es eine Gesetzesänderung im § 44 des Strafgesetzbuches (StGB), wonach das Fahrverbot wegen einer Straftat von ehemals 3 Monaten auf bis zu 6 Monate verhängt werden kann.

    § 24 StVG als rechtliche Grundlage des Fahrverbotes im Bußgeldverfahren statuiert zwei Fahrverbote:
    Es kann ein Fahrverbot wegen einer beharrlichen und groben Pflichtverletzung eines Fahrzeugführers sein (vgl. § 25 Abs 1 S. 1 StVG) und
    Es kann ein Fahrverbot wegen einer Drogen- und/oder Trunkenheitsfahrt ausgesprochen werden (vgl. „ 25 Abs 2 S.2 StVG).



    1 Monat Fahrverbot ab 28.04.2020

    Ein Fahrverbot von 1 Monat droht seit der StVO Novelle vom 28.04.2020 nun für die Überschreitung der Geschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaft bei 21 km/h zu schnell über der der erlaubten Geschwindigkeit. Außerorts droht ein Fahrverbot von 1 Monat, wenn Sie 26 km/h zu schnell fahren und die Geschwindigkeit überschreiten.
    1 Monat Fahrvebot erhalten Sie seit der StVO Novelle demnach nun auch dann, wenn Sie beispielsweise in der Zone 30 mit 51 km/h, in der Zone 30 mit 60 km/h oder in der Zone 100 mit 126 km/h zu schnell fahren.

    1 Monat Fahrverbot droht auch, wenn Sie einen qualifizierten Rotlichverstoß begehen und über eine Rote Ampel fahren, die bereits länger als Sekunde lang rot war.
    Auch bei einen einfachen Rotlichtverstoß droht ein Fahverbot von 1 Monat, wenn Sie über eine Rote Ampel fahren und die Ampel weniger als 1 Sekunde lang rot war und ein einfacher Rotlichtverstoß mit Gefährdung oder ein einfacher Rotlichtverstoß mit Sachbeschädigung begangen worden ist.

    Beim Nichteinhalten des Abstands zum vorausfahrenden Fahrzeug droht ein Fahrverbot von 1 Monat, wenn Sie bei einer Geschwindigkeit ab mehr als 130 km/h und einen Abstand von weniger als 3/10 des halben Tachowertes einen Abstandsverstoß begehen.
    Für Berufspendler oder Autofahrer, die auf ein Auto angewiesen sind, ist ein Fahrverbot von 1 Monat oder gar 2 oder 3 Monaten beispielsweise wegen der Überschreitung der Geschwindigkeit für die Betroffenen besonders unangenehm.

    1 Monat Fahrverbot bis zum 28.04.2020

    Bis zum 28.04.2020 drohte ein Fahrverbot von 1 Monat bei der Überschreitung der Geschwindigkeit erst dann, wenn Sie innerorts 31 km/h zu schnell fuhren, außerhalb geschlossener Ortschaft 41 km/h zu schnell gefahren sind oder innerhalb eines Jahres zweimal mit mehr als 26 km/h zu schnell gefahren sind.
    Diese Regelung gilt seit der Bußgeldkatalog Neuerung nun nicht mehr, sodass die Betroffenen PKW- und Motorradfahrer mit einen Fahrverbot von 1 Monat bei deutlich niedrigeren Geschwindigkeiten rechnen müssen.

    Fahrverbot grobe Pflichtverletzung und Beharrlichkeit

    Eine grobe Pflichtverletzung, die zu einem Fahrverbot führt, liegt vor, wenn ein abstrakter oder grober Verstoß vorliegt. Dies ist zum Beispiel, wenn ein Verhalten zu einem schweren Unfall führt, grobe Nachlässigkeit, grober Leichtsinn oder Gleichgültigkeit vorliegt. Eine Beharrlichkeit liegt vor, wenn durch die wiederholte Begehung in relativ kurzer Zeit der Betroffene zeigt, das ihm die für die verantwortungsvolle Teilnahme am Straßenverkehr erforderliche rechtstreue Gesinnung und die notwendige Einsicht in zuvor begangene Ordnungswidrigkeiten das Unrecht fehlt. Eine beharrliche Pflichtverletzung geht also, wer Verkehrsvorschriften mangels Rechtstreue verletzt. Selbst eine Häufung nur leicht fahrlässiger Verstoße kann unter Umständen eine mangelnde Rechtstreue darstellen und zu einem Fahrverbot führen.

    Wird jemand wegen einer Straftat zu einer Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe verurteilt, so kann ihm das Gericht für die Dauer von einem Monat bis zu sechs Monaten verbieten, im Straßenverkehr Kraftfahrzeuge jeder oder einer bestimmten Art zu führen. (...)

    Ein Fahrverbot wird aber nicht nur nach strafrechtlichen Kriterien, sondern auch für begangene Ordnungswidrigkeiten im Strassenverkehr erteilt. Bereits ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 20 km/h über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit innerorts und mehr als 25 km/h zu schell außerorts kann ein Fahrverbot von einen Monat drohen.
    Auf der folgenden Tabelle können Sie entnehmen, ab wann ein Fahrverbot bei einer geschwindigkeitsüberschreitung seit der Bußgeldkatalog Neuerung vom 28.04.2020 innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften droht.

    Fahrverbote für Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts

    Tabelle Fahrverbot innerhalb geschlossener Ortschaften seit 28.04.2020 (Stand Mai 2020)




    Fahrverbote für Geschwindigkeitsüberschreitungen außerorts

    Tabelle Fahrverbot außerhalb geschlossener Ortschaften seit 28.04.2020 (Stand Mai 2020)




    Fahrverbot Überschreitung der Geschwindigkeit

    Fahrverbote werden oftmals wegen Verstößen gegen die Höchstgeschwindigkeit ausgesprochen und Geschwindigkeitsbeschränkungen werden durch Beschilderung angeordnet. Die Geschwindigkeit muss vom Fahrer so angepasst werden, dass bei Passieren der Beschilderung die Geschwindigkeit nicht überschritten wird. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass der Fahrer die Geschwindigkeitsbegrenzung durch eine ordnungsgemäße Beschilderung in der Regel wahrgenommen werden kann. Es gilt demnach der Sichtbarkeitsgrundsatz.

    Es wird zwischen einer fahrlässigen und vorsätzlichen Geschwindigkeitsüberschreitung auch bei Fahrverboten unterschieden.
    Vorsätzlich handelt, wer die Tatbestandsverwirklichung unter anderem billigend in Kauf nimmt. Dies ist dann der Fall, wenn dem Fahrer das Verkehrsgeschehen irrelevant ist und dieser den Regelverstoß billigend in Kauf nimmt. Bei einer Vorsatztat kann mit einem Fahrverbot grundsätzlich gerechnet werden.

    Eine bewusste Fahrlässigkeit liegt vor, wenn der Fahrer mit der Verwirklichung der Geschwindigkeitsüberschreitung nicht einverstanden ist und mithin darauf vertraut, dass alles gut gehen wird und die Verwirklichung der Geschwindigkeitsüberschreitung nicht eintritt.

    Der Vorsatz, mit der Folge, dass ein Fahrverbot folgen kann, ist bei folgenden Feststellungen möglich:

    Der Fahrer wusste, das er erheblich zu schnell war
    Der Fahrer war zu schnell nach einem Geschwindigkeitstrichter (mehrfache Beschilderung in Folge Geständnis des Fahrers wie zum Beispiel: „ich war in Eile, ich habe die Strecke gekannt, ich habe die Geschwindigkeitsüberschreitung erkannt
    Indiz für die Kenntnisnahme einer Überschreitung: höheres Motorgeräusch, erhöhter Bewegungseindruck, schnelles Vorbeiziehen der Umgebung
    Die Fahrpraxis des Betroffenen
    Die Berufserfahrung des Betroffenen (LKW-Fahrer/Außendienstmitarbeiter)
    Der Fahrer hat den Tempomat auf eine zu hohe Geschwindigkeit eingestellt
    Ein defekter Tacho mit einer erheblichen Geschwindigkeitsüberschreitung
    Der Fahrer hat während der Fahrt nicht auf das Tacho geschaut

    Auch die Prozentuale Geschwindigkeit kann auf eine Vorsatztat hinweisen, die ein Fahrverbot zur Folge haben kann. So wird von den Oberlandesgerichten bei einer 40 % Geschwindigkeitsüberschreitung von einer Vorsatztat ausgegangen. Demnach kann auch ein Fahrverbot erfolgen, wenn laut dem Bußgeldkatalog noch kein Fahrverbot auszusprechen wäre, aber eine 40 % Geschwindigkeitsüberschreitung vorliegt. In diesem Fall kann ein Fahrverbot auch drohen, ohne dass ein weiteres Indiz wie zum Beispiel ein lautes Motorengeräusch vorliegt.

    Tatrichter nutzen auch die Möglichkeit - unter Hinweis auf die mangelnde Erforderlichkeit unter Anhebung der Geldbuße vom Fahrverbot abzusehen.
    Beispiele für die Nichtanwendbarkeit des § 25 StVG i.V.m. § 4 Abs 4 BKatV, die zur Folge ein Entfall eines Fahrverbotes hat sind:

    Augenblicksversagen bei einem Geschwindigkeitsverstoß
    Situationen bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung die einem Notstand ähnlich sind
    Fehlen einer abstrakten Gefährdungssituation bei einem Verstoß gegen das Rotlicht
    Minimale Strecke bei Verwirklichung des § 24a StVG (kurzes Umparken des PKW)

    Anhaltspunkte für eine fehlerhafte Erforderlichkeit können Einkommens- und Vermögensverhältnisse sein, bei denen eine deutliche Erhöhung der Regelgeldbuße denselben Erziehungseffekt wie ein Fahrverbot besitzen kann.

    Wer verhängt ein Fahrverbot

    Die Entscheidung über die Anordnung eines Fahrverbots oder das Absehen vom Fahrverbot können nur in:
    dem Bußgeldbescheid
    dem Urteil des Amtsgerichts
    dem Beschluss nach § 72 OWiG
    oder dem Beschluss des Rechtsbeschwerdegerichts
    stattfinden.

    Fahrverbot umgehen

    Wenn die Bußgeldstelle ein Fahrverbot in einem Bußgeldbescheid erlässt, so kann dies von einem erfahrenen Anwalt rückgängig gemacht werden und somit ein Fahrverbot umgangen werden.
    Dies setzt voraus, dass der Bußgeldbescheid noch nicht rechtskräftig ist und bei dem Betroffenen gewisse Voraussetzungen für den Wegfall eines Fahrverbotes vorliegen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Betroffene auf seine Fahrerlaubnis aus beruflichen Gründen angewiesen ist.

    Ein Fahrverbot kann auch umgangen werden, wenn ein so genanntes Augenblicksversagen vorliegt. Dies ist eine vorübergehende Unachtsamkeit, die dazu führen kann, dass dem Betroffenen keine grobe Pflichtwidrigkeit vorgeworfen werden kann. Eine grobe Pflichtwidrigkeit liegt zum Beispiel dann nich vor, wenn der Betroffene ein vorheriges Verkehrsschild mit eine Geschwindigkeitsbeschränkung nicht gesehen hat, beispielsweise wenn dieses durch einen LKW verdeckt gewesen ist.

    Möglicherweise können Sie durch einen Einspruch das Fahrverbot umgehen oder zumindest hinausschieben. 80% der Bußgeldbescheide sollen laut einer Studie der Verkehr-Unfall-Technik-Sachverständigengesellschaft fehlerhaft sein.

    Wenn es zu einem Wegfall des Fahrverbotes kommt, wird häufig die Geldbuße im Bußgeldbescheid verdoppelt oder verdreifacht. Ein Fahrverbot dient nach der gesetzgeberischen Intention als Erziehungsfunktion, so dass diese als Denkzettel- und Besinnungsmaßnahme gedacht ist. Damit diese nicht entfällt wird bei einem Wegfall des Fahrverbotes die Geldbuße im Bußgeldbescheid erhöht, damit die Intention des Fahrverbotes durch Erhöhung der Geldbuße erfüllt wird.

    Der Erziehungsgedanke eines Fahrverbotes kann unter anderem auch dann wegfallen:

    Absehen des Fahrverbotes durch Nachschulung
    Absehen vom Fahrverbot wegen der langen Verfahrensdauer vor der Behörde und/oder Gericht
    Absehen eines Fahrverbotes, wenn der Betroffene sich an ein unwirksames mündliches Fahrverbot nachweislich gehalten hat

    Der Erlass einer höheren Geldbuße bei einem Fahrverbot muss begründet werden. Bei einem Erlass einer Geldbuße bei einem Fahrverbot sind folgende Feststellung zu treffen:

    Höhe des Einkommens
    Höhe der Schulden
    Sonstige Verpflichtungen
    Unterhaltsverpflichtungen
    Einkommen eines Ehepartners/in
    Eigentums- und Wertverhältnis des zur Tat benutzen Fahrzeuges des Betroffenen



Auch interessant:


Geschwindigkeitsüberschreitungen in Zone 30:


Sicherheitsabstand nach gefahrener Geschwindigkeit:


    * Studie der Verkehr-Unfall-Technik-Sachverständigengesellschaft (VUT) über Bußgeldbescheide

Fahrverbot wegen
zu schnellen Fahrens:

außerorts:






Punkte für das Überfahren einer Roten Ampel (weniger als 1 Sekunde):



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