Softwareproblem an Rückfahrkamera
Stellantis-Rückruf: Fast 1 Million Fahrzeuge betroffen
- Stellantis ruft weltweit rund 955.000 Fahrzeuge der Marken Chrysler, Dodge, Jeep und Ram zurück.
- Grund ist ein Softwareproblem im Infotainment-System, durch das das Bild der Rückfahrkamera ausfallen kann.
- Der größte Teil des Rückrufs betrifft Nordamerika; für Märkte außerhalb Nordamerikas nennt Stellantis rund 15.700 Fahrzeuge.
- Die Behebung soll in vielen Fällen per Over-the-Air-Update erfolgen, ein Werkstattbesuch ist dann nicht zwingend erforderlich.
- Bereits im April hatte Stellantis einen großen Rückruf wegen Brandgefahr gestartet.
Fast eine Million Fahrzeuge von Stellantis-Rückruf betroffen
Der Autobauer Stellantis steht erneut vor einer großen Rückrufaktion. Nach Angaben des Konzerns betrifft der aktuelle Rückruf vor allem Fahrzeuge aus den Modelljahren 2026 und 2027. Im Mittelpunkt stehen Modelle der Marken Chrysler, Dodge, Jeep und Ram.Allein in den USA sind nach Herstellerangaben mehr als 848.000 Fahrzeuge betroffen. Hinzu kommen weitere Fahrzeuge in Kanada, Mexiko und anderen Märkten. Weltweit summiert sich die Zahl damit auf rund 955.000 Autos. Wie viele Halter in Deutschland konkret betroffen sind, ist derzeit nicht bekannt.
Für Autofahrer ist ein solcher Rückruf nicht nur eine Formalie. Wenn sicherheitsrelevante Systeme nicht zuverlässig funktionieren, kann das im Alltag schnell problematisch werden. Wer rückwärts aus einer Einfahrt, Parklücke oder einem engen Hof fährt, verlässt sich häufig auf Kamera, Spiegel und eigene Sicht zugleich.
Diese Modelle nennt Stellantis beim Rückruf
Nach bisherigen Angaben umfasst der Rückruf unter anderem mehrere Minivans, SUVs, Pick-ups und Transporter. Genannt werden etwa der Chrysler Pacifica, der Pacifica Plug-in Hybrid und der Voyager. Ebenfalls betroffen sind der Dodge Charger sowie zahlreiche Jeep-Modelle.Dazu zählen unter anderem Jeep Cherokee, Compass, Gladiator, Grand Cherokee, Grand Wagoneer und Wrangler. Bei Ram werden unter anderem der Ram 1500, der Ram 2500, der ProMaster und der ProMaster EV aufgeführt.
Ob ein konkretes Fahrzeug Teil der Rückrufaktion ist, lässt sich in der Regel über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer prüfen. Halter sollten Rückrufschreiben deshalb nicht ignorieren und die Angaben des Herstellers oder der zuständigen Stelle sorgfältig kontrollieren.
Softwarefehler kann Rückfahrkamera lahmlegen
Der Auslöser liegt nicht in einem klassischen Bauteildefekt, sondern in der Software. Laut Stellantis kann ein Fehler im Radio- beziehungsweise Infotainment-System dazu führen, dass beim Einlegen des Rückwärtsgangs kein Kamerabild auf dem Display erscheint.Das klingt zunächst weniger dramatisch als ein Motorschaden oder ein Bremsproblem. Im Verkehr kann der Ausfall aber relevant sein. Gerade beim Rangieren in unübersichtlichen Bereichen erhöht eine fehlende Rückfahransicht das Risiko, Hindernisse, andere Fahrzeuge oder Fußgänger zu spät wahrzunehmen.
Stellantis verweist darauf, dass dem Unternehmen bislang keine Unfälle oder Verletzungen im Zusammenhang mit dem Problem bekannt seien. Trotzdem wird der Fehler sicherheitsrelevant behandelt. Fahrer sollten sich bei einem Ausfall der Kamera nicht allein auf das Display verlassen, sondern besonders sorgfältig Spiegel, Schulterblick und Umfeldkontrolle nutzen.
Update soll Rückruf ohne Werkstatttermin lösen
Die gute Nachricht für viele Halter: Die Reparatur soll nicht zwingend einen längeren Werkstattaufenthalt erfordern. Stellantis plant ein Softwareupdate aus der Ferne. Das Update soll auf dem Bildschirm des Fahrzeugs angezeigt werden, sobald es verfügbar ist.Wer die Aktualisierung erfolgreich installiert, muss wegen dieses Rückrufs voraussichtlich nicht zum Händler. Bei Problemen mit dem Update oder wenn die Installation nicht gelingt, kann dennoch der Kontakt zur Werkstatt nötig werden.
Für Halter ist es sinnvoll, Benachrichtigungen im Fahrzeug nicht wegzudrücken und die Hinweise genau zu lesen. Gerade bei sicherheitsrelevanten Rückrufen sollte ein Update nicht dauerhaft aufgeschoben werden.
Warum der Rückruf für Stellantis heikel ist
Finanziell dürfte dieser Rückruf für Stellantis weniger schwer wiegen als Aktionen, bei denen Bauteile getauscht oder Fahrzeuge länger in die Werkstatt müssen. Ein digitales Update verursacht in der Regel geringere Kosten als mechanische Reparaturen.Der Imageschaden kann dennoch spürbar sein. Denn der Konzern war bereits in den vergangenen Monaten mit größeren Rückrufen in den Schlagzeilen. Erst im April ging es bei Stellantis um einen Rückruf wegen möglicher Brandgefahr bei bestimmten Fahrzeugen mit 1,2-Liter-Mildhybrid-Benziner.
Für Verbraucher entsteht dadurch ein bekanntes Muster: Moderne Autos werden immer stärker von Software gesteuert, zugleich können Fehler in digitalen Systemen direkte Auswirkungen auf die Sicherheit haben. Rückrufe sind deshalb längst nicht mehr nur eine Frage von Schrauben, Schläuchen oder Motorenteilen.
Was betroffene Halter jetzt tun sollten
Wer ein Fahrzeug aus dem Stellantis-Konzern fährt, sollte prüfen, ob das eigene Modell in den Rückruf fällt. Maßgeblich ist dabei nicht nur die Modellbezeichnung, sondern auch Baujahr, Markt und Fahrzeug-Identifizierungsnummer.Eine erste Orientierung bietet die Rückrufsuche der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. Dort können Halter prüfen, ob für ein Fahrzeug ein sicherheitsrelevanter Rückruf hinterlegt ist. Für Fahrzeuge in Deutschland ist außerdem die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes eine wichtige Anlaufstelle.
Kommt ein Rückrufschreiben an, sollten Halter die darin genannten Schritte befolgen. Bleibt das Kamerabild beim Rückwärtsfahren aus, ist besondere Vorsicht geboten. In diesem Fall sollten Fahrer nicht allein auf Assistenzsysteme vertrauen, sondern den Bereich hinter dem Fahrzeug sorgfältig über Spiegel und Schulterblick kontrollieren.
Kommt es durch einen technischen Defekt oder ein ausgefallenes Assistenzsystem zu einem Unfall, können Fragen nach Haftung, Nachweis und Regulierung entstehen. Informationen dazu bietet unser Ratgeber zur Hilfe bei einem Autounfall. Wer ein Fahrzeug mit Mängeln gekauft hat, findet außerdem Hinweise zu den Rechten beim Autokauf.
Fazit: Digitaler Fehler, reales Sicherheitsrisiko
Der aktuelle Stellantis-Rückruf zeigt, wie eng Software und Verkehrssicherheit inzwischen zusammenhängen. Eine Rückfahrkamera ist zwar kein Ersatz für die eigene Aufmerksamkeit, sie ist aber ein wichtiges Hilfsmittel beim Rangieren.Für Halter bedeutet das: Rückruf prüfen, Update installieren und bei Problemen nicht abwarten. Denn auch wenn der Fehler per Software behoben werden soll, kann ein fehlendes Kamerabild im falschen Moment erhebliche Folgen haben.
1 CBS News: Stellantis vehicle recall over rearview camera issue (zuletzt abgerufen am 28.08.2026)
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